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Das Konzept für Kuba

Grundsätzliches:

Schuhe sind etwas Persönliches – Privates – Intimes, etwas so Notwendiges wie die Kunst. Schuhe sind Kunst. Schuhe sind Identität, Fetisch, Symbol, Werkzeug. Schuhe sind lästig, aber auch erholsam, einengend, schaffen aber auch Möglichkeiten. Schuhe besitzen vielfältige Charaktere.

Schuhe sind Zeugen von Leid, Verfolgung und Terror. Wenn Menschen verunglücken, in Katastrophen geraten oder auf gewaltsame Weise umkommen, sind es die Schuhe, die liegen bleiben. Es sind die Schuhe, die als Zeugen von Gewalt auftreten. Die Schuhe, die im ehemaligen Zwangsarbeiterlager verrotten und von den ausgebeuteten Menschen zurückgelassen wurden. Oder die von den Faschisten weggeworfen wurden, als die Träger ihr Leben lassen mussten. Schuhe bleiben am Straßenrand liegen, wenn Abschleppwagen die Fahrzeuge wegziehen.

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Schuhe sind auch Statussymbol. Sie zeigen die mitunter nur vermeintliche Position des oder der Trägerin in der Gesellschaft. Schuhe wurden von der Bourgeoisie getragen. Das Proletariat trug sie nur zur Arbeit, Sklaven trugen keine Schuhe.

 

 

Schuhe sind Standeszeichen, auch heute noch. Menschen beurteilen Menschen aufgrund der Güte und Qualität ihrer Schuhe.

Schuhe sind Mode. Sie unterliegen modischen Ansprüchen, werden zu Objekten der Begierde, zu
Schmuck und Kunst am Körper. Sie sind Uniform einer Peergroup – an einem FKK-Strand auf Rügen kam eine junge Frau aus dem Wasser, ging auf dem Campingplatz in ihr Zelt und kam ausschließlich mit ihren dicken Boots bekleidet wieder heraus.

Menschen definieren sich über ihre Schuhe. Sie sind Stigmata einer politischen Haltung, wie sonst könnten Begrifflichkeiten wie „Turnschuhpolitiker“ für die ersten Alternativen Linken und Grünen im Deutschen Bundestag gesellschaftlich definiert werden? Schuhe sind Ausdruck fanatischen Extremismus´ bei den mit Springerstiefeln ausgerüsteten Skinheads. Sie sind Ausdruck einer politischen Ideologie und Lebensweise bei den Menschen, die in „Jesuslatschen“ laufen.

 

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Rot ist die intensivste Farbe des Farbspektrums und am längsten sichtbar. Rot ist die Farbe der Liebe, des Blutes, des Lebens, des Todes, des Krieges, der Revolution, der Macht, der Könige.

Es ist die erste und wahrscheinlich auch die letzte Farbe, die wir sehen.
Rote Schuhe haben eine mystische Bedeutung, sie erzählen Geschichten und enthalten Geschichten. Sie sind Symbol und auslösendes Moment von Phantasie.
Rote Schuhe sind ein Märchen von Hans Christian Andersen, ein Film und ein Ballett. Sie faszinieren aufgrund der Kombination von Farbe und Gegenstand. Sie sind weiblich. Rote Herrenschuhe gelten als extravagant und sind sehr selten anzutreffen, der Papst und Fußballspieler tragen welche.

Rote Damenschuhe tragen das Symbol weiblicher Erotik mit sich. Erotische Reize steigen parallell mit der Höhe der Absätze roter Damenschuhe.
In einer Kunstaktion/Performance und Ausstellung werden rote Schuhe als Spuren hinterlassen, gleichzeitig transportieren ausgestellte Fotografien von roten Schuhen ihre Geschichten an die Präsentationsorte, andere Bilder entstehen dort als endlose Geschichte.
Menschen sollen mit Schuhen umgehen, sie anziehen, darin versuchen zu laufen, sie anfassen und anschauen. Dieser Vorgang wird seinerseits wieder zu Bildern/Fotografien.

Kubanischer Musiker, eine kubanische und eine deutsche Tänzerin werden in die Perfomance einbezogen, in einem Privathaus findet ein Teil der Aktion täglich statt. Weiteres Mitwirken der kubanischen Bevölkerung sind geplant.
Das Laufen als zentrale Tätigkeit, für die die Schuhe produziert wurden, wird mit Mitteln der Malerei festgehalten. Laufen über Farbe, Laufen über Malgrund und das Hinterlassen von Spuren der laufenden Menschen werden Bildinhalte, die im öffentlichen Raum von den Individuen beeinflusst und gestaltet werden.
Mit den Arbeiten und Aktionen wird Privates öffentlich und Öffentliches privat. Es entsteht eine fremde Realität, die symbolischen Handlungen der Kunstaktionen werden visuell reflektiert. Kunst
mischt sich in das Alltägliche ein. Kunst hinterlässt Spuren im öffentlichen Raum, aber auch in der privaten Wahrnehmung durch individuelle Mitwirkung des Einzelnen. Lebensraum wird zum Laboratorium – rote Schuhe dringen in Wohnungen ein, rote Schuhe dringen in das Stadtbild ein und schaffen Quellen für Geschichten, Gedanken und Ideen.
Verfolgt man auf dem Stadtplan die Route der Installationen, so überzieht ein flächendeckendes Netz aus roten Fäden das Stadtgebiet. Dadurch wird eine Psychografie von Räumen sichtbar, in denen Individuen ihre Subjektivität sichern und gleichzeitig einen Teil von sich selbst – den Schuh,
ihre Füße, ihr Laufen – preisgeben.

Die Ausstellung, bei der Ansätze dieses Konzeptes verwirklicht wurden, fand im Januar 2006 zusamen mit der Bochumer Künstlerin Monika Ortmann in Havanna/Kuba statt. Wegen eines Hurricanes Ende Januar 2006 blieb von der Ausstellung nicht mehr übrig. Auch das ist gewisserweise ein künstlerischer Prozess. Andere Künstler setzen bewusst ihre Bilder Wind und Wetter aus.

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Warum ein Blog

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Die Arbeit mit Bildern erfordert Galerien, um diese Bilder zu zeigen. Ein Blog hingegen ist die Sammlung von Texten und Kommentaren. Ein Widerspruch? Ich lasse es darauf ankommen. Was ist denn die bevorzugte Ausdrucksweise, was bietet sich an, die Welt zu kommentieren? Wo es etwas zu sagen und schnell zu kommentieren gibt, findet es sich vielleicht hier wieder. Ein Versuch, die Roten Schuhe im Blog.

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